Verkehrsanbindung Thal: Die ganze Geschichte

Gastbeitrag in SZ/OT

Verkehrsanbindung Thal: Die ganze Geschichte

Ehrlich: Ich habe lange gekämpft, damit die Verkehrsanbindung Thal, diese neue Strasse, nicht nötig wird.

Wie viele im Thal war auch ich mal der Meinung, man könnte doch einfach ein schlaues ÖV-Konzept entwickeln, mit dem der Bahnübergang der OeBB nicht mehr nötig ist und dann sei der Stau erledigt. Also setzte ich mich mit der ASm zusammen, um ein Konzept zu basteln, mit dem man Balsthal mit einem Ortsbus bedient und dann von der Thalbrücke mit dem Bipperlisi direkt nach Solothurn fährt. Sogar die Verlängerung des Lisis bis nach Matzendorf haben wir – durchaus ernsthaft – geprüft. Die Enttäuschung bei der OeBB über diesen Rückenschuss war gross, sie haben jedoch dann selber die Studie unterstützt. Schlussendlich kapitulierten wir nicht vor der OeBB, sondern schlicht vor den Realitäten: Es ist einfach nicht möglich, am Knoten Oensingen mit dem Zu- und Wegbringer vom Intercity (und der damit verbundenen Wartezeit) einen Fahrplan zu entwickeln, der attraktiver ist als der heutige.

Und noch etwas musste ich lernen: Die Aufhebung der Bahnschranke würde nicht die Aufhebung des Staus bedeuten. Die Kapazität der Strasse reicht schon wesentlich weiter südlich, beim Schmelzihof-Kreisel, nicht aus.

Versuchen wir also, mit anderen Massnahmen die Situation zu lösen. Ich konnte von der ZHAW einen ganzen Studentenjahrgang Verkehrsplaner gewinnen, um sich im Rahmen von Projektarbeiten alternative Konzepte zu überlegen. Das sind alles progressive Köpfe, die neue Strassen einen Hafenkäse finden – ich ja eigentlich auch. Heraus kam als Massnahmenpaket die Aufhebung von Fussgängerstreifen, Entlastungs-Trassen Richtung Passwang und Hauenstein, Werkbusse ins Gäu, Expresslinien ins Thal usw.. Viele tolle Dinge, die man besser heute als morgen umsetzen würde, sofern sie umsetzbar sind. Aber leider auch allesamt Dinge, welche selbst in ihrer Summe die Stausituation nicht zu lösen vermögen und eher flankierende Massnahmen denn Alternativen zur neuen Strasse darstellen.

Und auch die aktuellste Arbeit zur Verkehrssituation im Thal dient nicht dem Individualverkehr, sondern dem öV. Das von den Gegnern der Verkehrsanbindung als Teil der Lösung angepriesene Buskonzept 2024 erlaubt im Entwurf zwar einen Viertelstundentakt für Balsthal, dies aber nur auf Kosten schlechterer Leistungen für die Aussengemeinden – es sei denn, Kanton und Postauto bieten Hand für Korrekturen bei den Berechnungszeiten. Unterstützung von VCS oder «Läbigi Klus» in diesen Diskussionen: Fehlanzeige.

Schlussendlich konnte ich nicht anders: Ich musste anerkennen, dass es keine effizientere Lösung als diese neue Strasse gibt. Wenn ich nun in der Zeitung (sogar von der Redaktorin selber) lese, man habe nichts geprüft, man solle doch einfach mal mit innovativen Ideen statt mit neuen Strassen die Probleme lösen und man solle doch endlich die «Heilige Kuh OeBB» schlachten, dann empfinde ich das schlicht als ungerecht. Ich, und mit mir die anderen Gemeindepräsidenten, wir haben uns – Sie verzeihen den Ausdruck – den Hintern aufgerissen, um all das zu tun. Und wenn nun die Gemeinden Geld in die Finger nehmen, um diese ganze Geschichte richtigzustellen, und sie dafür angeklagt werden, dann ist das nichts anderes als ein Angriff auf die Wahrheit. Ein Angriff, der auch Gemeindepräsidenten mit mittlerweile durchaus zäher Haut ziemlich hart trifft.

Stefan Müller-Altermatt
Gemeindepräsident Herbetswil / Nationalrat

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